Eine Woche Kultur in Berlin vom 16. bis 22. Juni 2008
Die Idee, ein großes Alteichkamper-Treffen in Berlin
durchzuführen, wurde 2005 im wunderschönen Ferienresort Loryma bei
unserem Freund Atilla geboren und 2006 in die Tat umgesetzt. 2007 im
Mai trafen sich dann wieder einige Alteichkamper bei Atilla in Loryma,
hoch oben über der Bucht von Marmaris. Für alle, die daran teilnehmen
konnten, war es ein unvergessliches Erlebnis. Und wieder wurde dort
eine Idee geboren: Wir wollen im nächsten Jahr das „neue Berlin“ und
seine Kultur genießen. So trafen sich in der Woche vom 16. bis 22. Juni
2008 ca. 20 Alteichkamper, die in unterschiedlicher Besetzung ein
reichhaltiges und dicht gepacktes Kulturprogramm erlebten. Vorab: Es
hat alles bestens geklappt und ein gut gelaunter Petrus war auch dabei.
Es begann am Montagabend bei Joes (Detlefs) Wirtshaus am Zoo. Großes
Hallo und Wiedersehensfreude mit Sekt und Cognac auf Kosten des Hauses.
Dann die deftige Küche genossen und auf den besten Plätzen vor der
Großleinwand das WM-Spiel Deutschland gegen Österreich durchlitten.
Am Dienstag wurde es dann aber Ernst mit der Kultur. Zuerst zum Zoo zur
S-Bahn, wo ein überaus freundlicher Berliner Türke den älteren
Herrschaften die Bedienung des Ticket-Automaten erklärte. Dann ging es
mit der S-Bahn über Wannsee nach Potsdam und natürlich erinnerten wir
uns an Ulbrichts Geisterbahn mit 20 Pfennig fürs Ticket. Vor dem
Hauptbahnhof erwartete uns eine freundliche resolute Dame, die uns sehr
kompetent sehr vieles über Potsdam und Sansoussi erzählte und zeigte.
Sie macht diesen Job seit 1963 und für den einen oder anderen war
deutlich spür- und hörbar, dass sie noch in beiden Welten zuhause war.
Unser Gedächtnis und Erinnerung an die Soldatenstadt Potsdam, die
vielen Friedrichs, Wilhelms und Friedrich Wilhelms, vor allem auch an
den einen, den Großen, den Preußen und der Zerstörung Potsdams wenige
Wochen vor dem Ende des 2. Weltkriegs wurde wieder aufgefrischt. Wenig
Wiederaufbau zu DDR-Zeiten; aber dann nach der Wende ging es flott
voran, manchmal zu flott. Schnelligkeit ging teilweise vor
architektonischer Gestaltung (O-Ton unserer Führerin: Albert Speer
lässt grüßen). Insgesamt aber sehr beeindruckend; die einmalige Lage
Potsdams, wo leider die Neu-Potsdamer den Alt-Potsdamern die
Wohnungspreise in unerschwingliche Höhen treiben.
Am Nachmittag wieder zurück und Erholung bis zum nächsten Event.
Staatsoper unter den Linden, „Fidelio“, der einzigen Oper Beethovens.
Eine gelungene Aufführung (nur der Fidelio im Kerker kurz vor dem Koma,
war einfach zu gut im Futter) in der alten Staatsoper, die nun für vier
Jahre komplett renoviert und umgebaut wird.
Am Mittwoch war Museumstag. Vor der Museumsinsel treffen wir unseren
Führer für die Alte Staatsgalerie. Der Führer, ein exzellenter
Kunsthistoriker, der keinerlei Zweifel an seiner Kompetenz aufkommen
ließ und uns wirklich alles bis zur kleinsten Person auf bestimmten
Bildern erklärte. Zur Zeit ist das Ensemble der Museumsinsel immer noch
eine riesige Baustelle und man kann noch erkennen, welche Zerstörung
die Bomben des zweiten Weltkriegs angerichtet haben. Beeindruckend der
jetzige Wiederaufbau. Es wird nicht 1 zu 1 restauriert, sondern dort,
wo ein Teil total zerstört war mit viel Fingerspitzengefühl Neues mit
Altem verbunden. Freuen wir uns auf die nächste Besichtigung, so um
2010, wenn alles fertig ist.

Am Nachmittag dann Geschichtsuntericht: die Gründerzeit, eine
Sonderausstellung in dem architektonisch sehr gelungenen Pei-Bau als
Teil des Deutschen Historischen Museums. Eigentlich denkt man bei
Gründerzeit so an die Jahre 1870 bis 1880, insbesondere den Krieg mit
den Franzosen 1871 und deren Geld, das im Juliusturm in Spandau
gehortet wurde. Es war aber die Zeit von 1848 bis 1873, d.h. ab der so
genannten deutschen Revolution. Auch hier hat uns eine sehr
freundliche, nette und hübsche junge Dame alles bestens erklärt.
Am Abend ging es dann nach Kreuzberg ins Mehringhof-Theater im
Hinterhaus. Das Theater gesteckt voll, schmale Stühle, engstens
bestuhlt und mit Horst Everts drei Stunden beste Wortakrobatik.
Der
Donnerstag war dann vorwiegend der staatsbürgerlichen Erbauung
vorbehalten. Zuerst mit der S-Bahn zum Prenzelberg und von dort mit dem
Fahrrad zum Reichstag. Dank Giselas Vermittlung genossen wir vier
Stunden Parlament, einschließlich eines Gesprächs mit einem
FDP-Abgeordneten, der uns beeindruckte und gar nicht so ein
Ochsentourpolitiker war, sondern ein Mediziner und so genannter
Seiteneinsteiger in die Politik, von denen es leider immer weniger
gibt. Danach Essen und Trinken auf Staatskosten und gestärkt zur
Plenarsitzung. Es waren die Themen Gesundheitspolitik (Ulla Schmidt war
auch da) und Transparenz der Nebeneinkünfte von Abgeordneten dran, Otto
Schily lässt grüßen. Wieder zurück mit dem Fahrrad auf den Prenzelberg
in die Kulturbrauerei zum Public Viewing des Fußballspiels Deutschland
gegen Portugal.
Am
Freitag die große Ost-Tour mit dem Fahrrad mit einem sehr kritischen
und kenntnisreichen Ossiführer, der auf dem Prenzelberg am
Helmholtzplatz, genannt Helmi, großgeworden ist. Viel „Platte“ gesehen,
teils mit ganz ordentlicher Architektur, Denkmäler von Ernst Thälmann
und für die Rote Armee. Stasi in Niederschönhausen und Normannenstraße,
wo so viele gelitten haben und auch manche umgebracht wurden. Es war
gut, dass uns wieder einmal bewusst wurde, dass die DDR kein warmer
Knuddelkäfig, sonder eine brutal Diktatur war.
Am Abend dann der Ausklang in der Komischen Oper bei Kiss Me Kate.
Abschied beim letzten gemeinsamen Bier direkt am Brandenburger Tor, bei
bestem Wetter. Und dann haben die Türken in der 121sten Minute noch ein
Tor geschossen. Eren war im 7. Himmel und am Zoo wurde es noch ziemlich
laut.
Leider war das ursprünglich geplante Treffen am Samstagabend im
Bierkeller in Eichkamp nicht möglich; es war schlicht und einfach nicht
zu organisieren, weil niemand mehr zuständig ist. Conny war noch
persönlich da und wird diese Tatsache bestätigen. Hoffen wir, dass sich
die Situation bis 2011 bessert und wir unser nächstes großes Treffen in
den uns so lieb gewordenen Räumen wieder feiern können.
Berlin tat gut; auf ein nächstes.
Axel Mühlthaler
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